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# E-Auto als Gebrauchtwagen: Worauf Sie beim Kauf achten müssen
Der Boom der gebrauchten E-Autos – Chance oder Risiko?
Elektroautos sind nicht mehr nur ein Trend, sondern eine feste Größe auf unseren Straßen. Mit der steigenden Anzahl an Neuzulassungen wächst auch der Markt für gebrauchte Elektrofahrzeuge rasant. Für viele ist ein gebrauchtes E-Auto eine attraktive Alternative zum Neuwagen: Die Anschaffungskosten sind geringer, die Umweltbilanz ist besser und die Betriebskosten können deutlich niedriger ausfallen. Doch der Kauf eines gebrauchten Elektroautos birgt auch spezifische Herausforderungen, die sich von denen eines Verbrenners unterscheiden. Wie steht es um die Batterie? Welche Garantien gibt es? Und worauf musst du bei der Ladeinfrastruktur achten? In diesem Artikel beleuchten wir die wichtigsten Aspekte, damit du beim Kauf deines gebrauchten E-Autos eine fundierte Entscheidung treffen kannst.
Das Herzstück des E-Autos: Die Batterie im Fokus
Die Batterie ist das teuerste und zugleich wichtigste Bauteil eines Elektroautos. Ihr Zustand entscheidet maßgeblich über die Leistungsfähigkeit, Reichweite und den Wert des Fahrzeugs. Daher ist es unerlässlich, diesen Aspekt genau zu beleuchten.
### Batteriezustand (State of Health - SoH) verstehen und prüfen
Der State of Health (SoH), zu Deutsch Gesundheitszustand, gibt an, wie viel nutzbare Kapazität die Batterie im Vergleich zu ihrem Neuzustand noch besitzt. Ein SoH von 80 % bedeutet beispielsweise, dass die Batterie noch 80 % ihrer ursprünglichen Kapazität speichern kann. Dieser Wert ist entscheidend, da er direkt die Reichweite des Fahrzeugs beeinflusst. Ein niedriger SoH kann einen erheblichen Wertverlust bedeuten und im schlimmsten Fall sogar einen wirtschaftlichen Totalschaden, da ein kompletter Batterietausch Kosten von 15.000 bis 20.000 Euro verursachen kann [1].
Wie lässt sich der SoH prüfen?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Batteriezustand zu ermitteln:
* Herstellerunabhängige Batteriechecks: Anbieter wie Aviloo bieten zertifizierte Tests an, die den SoH präzise bestimmen. Der ADAC kooperiert beispielsweise mit Aviloo und ermöglicht so einen neutralen Batteriecheck für reine Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride [1]. * Werkstatt-Diagnose: Fachbetriebe mit Hochvolt-Kompetenz (HV-Kompetenz) können den SoH mithilfe spezieller Diagnosegeräte auslesen. Achte darauf, dass die Werkstatt über entsprechende Zertifizierungen und geschultes Personal verfügt, da Arbeiten an Hochvoltbatterien besondere Sicherheitsstandards erfordern. * Serviceberichte: Ein lückenloses Scheckheft und detaillierte Serviceberichte, die idealerweise auch den SoH dokumentieren, geben Aufschluss über die Historie der Batterie [3].
Frage den Verkäufer unbedingt nach der Historie des Fahrzeugs und eventuellen Batterieschäden oder -reparaturen. Halte diese Informationen unbedingt im Kaufvertrag fest, um spätere Unstimmigkeiten zu vermeiden. Ein positiver Aspekt ist, dass bei einigen Modellen wie dem BMW i3, VW e-Golf oder Nissan Leaf defekte Zellmodule einzeln ausgetauscht werden können. Dies ist eine deutlich günstigere Alternative zum kompletten Akkutausch, wobei die Kosten für ein Modul im drei- bis niedrigen vierstelligen Euro-Bereich liegen können [3].
### Ladezyklen, Ladeverhalten und Lebensdauer
Die Lebensdauer einer Batterie wird maßgeblich von der Anzahl der Ladezyklen und dem Ladeverhalten beeinflusst. Ein Ladezyklus ist abgeschlossen, wenn die Batterie einmal vollständig entladen und wieder aufgeladen wurde. Moderne Lithium-Ionen-Akkus sind robust und überstehen problemlos 2.000 bis 3.000 Ladezyklen, was einer Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren oder bis zu 500.000 Kilometern entsprechen kann [2].
Um die Lebensdauer der Batterie zu maximieren, hat sich das 20/80-Prinzip bewährt: Der Ladezustand sollte idealerweise nicht unter 20 % fallen und nur bei Bedarf über 80 % geladen werden, beispielsweise vor einer Langstreckenfahrt. Längeres Stehen mit voll geladenem Akku sollte vermieden werden. Auch die kalendarische Alterung spielt eine Rolle: Batterien altern auch durch die Zeit, selbst wenn sie nicht genutzt werden. Ein älteres E-Auto kann daher allein aufgrund seines Alters eine geringere Kapazität aufweisen [3].
Frage den Vorbesitzer nach seinem Ladeverhalten. Wer seine Batterie schonend behandelt hat, trägt maßgeblich zu einem besseren SoH bei und verlängert die Lebensdauer des Akkus erheblich.
### Reichweitenverlust: Realität und Einschätzung
Ein häufiges Bedenken beim Kauf eines gebrauchten E-Autos ist der Reichweitenverlust. Es ist eine Tatsache, dass die tatsächliche Reichweite von Elektroautos oft von den Herstellerangaben abweicht und im Laufe der Zeit abnimmt. Dies liegt an verschiedenen Faktoren:
* Fahrverhalten: Eine sportliche Fahrweise mit häufigem Beschleunigen und hohen Geschwindigkeiten verbraucht mehr Energie. * Wetter und Temperatur: Bei kalten Temperaturen sinkt die Leistungsfähigkeit der Batterie, und die Heizung des Innenraums benötigt zusätzlich Energie. Auch hohe Temperaturen können die Batterie belasten. * Nutzung von Verbrauchern: Klimaanlage, Heizung, Sitzheizung und andere elektrische Verbraucher reduzieren die verfügbare Reichweite. * Alter des Akkus: Wie bereits erwähnt, führt die Alterung der Batterie zu einem Kapazitätsverlust und somit zu einer geringeren Reichweite.
Für eine realistische Einschätzung der Reichweite solltest du bei der Probefahrt den Ladestand und die angezeigte Restreichweite notieren. Fahre eine Strecke von etwa 50 bis 70 Kilometern und vergleiche die Werte anschließend. So bekommst du ein Gefühl für den tatsächlichen Verbrauch. Der ADAC Ecotest liefert zudem praxisgerechtere Verbrauchswerte und realistischere Reichweiten für viele Modelle [1].
Viele gebrauchte E-Modelle erreichen heute noch Reichweiten von 250 bis 400 Kilometern mit einer Akkuladung, was für den täglichen Pendelverkehr, Einkäufe oder Wochenendausflüge in der Regel ausreichend ist [2]. Beispiele für beliebte Modelle und ihre WLTP-Reichweiten sind der Renault ZOE (bis zu 395 km), Peugeot e-208 (bis zu 340 km), VW ID.3 (rund 425 km), Hyundai Kona Elektro (bis zu 484 km) und Tesla Model 3 (bis zu 614 km) [2].
Garantien, Software-Updates und der kommende Batteriepass
Neben dem Batteriezustand spielen auch Garantien, Software-Updates und zukünftige Transparenzmaßnahmen eine wichtige Rolle beim Kauf eines gebrauchten E-Autos.
### Herstellergarantien auf die Batterie
Die meisten Hersteller bieten auf die Antriebsbatterie eine Garantie von acht Jahren oder 160.000 Kilometern, wobei ein Garantiefall meist dann eintritt, wenn die Restkapazität unter 70 % der ursprünglichen Kapazität fällt [1]. Es ist entscheidend, dass du beim Kauf prüfst, ob diese Garantie noch besteht und unter welchen Bedingungen sie greift. Ein lückenloses Serviceheft ist hierbei unerlässlich, da es die Einhaltung der Wartungsintervalle belegt und somit die Durchsetzung von Garantieansprüchen erleichtert [1].
Ein besonderer Fall ist der Miet-Akku. Früher boten einige Hersteller die Möglichkeit an, den Akku zu mieten statt zu kaufen. Der Vorteil war, dass der Hersteller bei einem Defekt für den Austausch aufkam. Seit 2021 wird die Akku-Miete für Neuwagen nicht mehr angeboten, aber einige gebrauchte Modelle können noch über einen Miet-Akku verfügen. In diesem Fall musst du den Mietvertrag entweder übernehmen oder den Akku zum Restwert vom Hersteller kaufen, was zusätzliche Kosten von 1.000 bis 6.000 Euro verursachen kann [2]. Kläre diesen Punkt unbedingt vor dem Kauf.
### Software-Updates und ihre Bedeutung
Software spielt bei Elektroautos eine immer größere Rolle. Sie beeinflusst nicht nur das Infotainment-System, sondern auch die Effizienz des Antriebs, die Ladeleistung und die Batteriesteuerung. Stelle sicher, dass alle relevanten Software-Updates durchgeführt wurden, da diese oft Leistungsverbesserungen und Fehlerbehebungen mit sich bringen können.
### Der digitale Batteriepass: Mehr Transparenz ab 2026 (oder 2025?)
Um die Transparenz beim Kauf gebrauchter E-Autos weiter zu erhöhen, wird voraussichtlich ab 2026 (in Deutschland möglicherweise schon 2025) ein digitaler Batteriepass verpflichtend eingeführt [2]. Dieser Pass wird wichtige Daten zur Batterie erfassen, darunter Herstellungsdatum, Nutzungshistorie, Kapazitätsverlauf und eventuelle Reparaturen. Käufer sollen über einen QR-Code oder ein Online-Portal den Zustand der Batterie nachvollziehen können, was das Vertrauen in gebrauchte E-Autos stärken wird. Schon jetzt bieten Plattformen wie mobile.de Filter für E-Autos mit Batterie-Zertifikat an, die verlässliche Auskunft über den aktuellen Zustand der Batterie geben [2].
Ladeinfrastruktur: Alltagstauglichkeit und Kosten
Die Frage, wie und wo du dein E-Auto laden kannst, ist entscheidend für die Alltagstauglichkeit und die laufenden Kosten. Überlege dir vor dem Kauf genau, welche Lademöglichkeiten dir zur Verfügung stehen.
### Laden zu Hause: Die Wallbox als Standard
Die komfortabelste und oft günstigste Möglichkeit, ein E-Auto zu laden, ist zu Hause mit einer Wallbox. Eine eigene Wallbox ermöglicht es dir, dein Fahrzeug über Nacht oder während der Arbeitszeit bequem aufzuladen. Prüfe, ob dein Wunschfahrzeug über eine geeignete Ladetechnologie verfügt (AC/DC, Ladeleistung). Ältere Modelle laden möglicherweise nur einphasig mit geringerer Leistung (z.B. 3,7 oder 4,6 kW AC), was die Ladezeiten erheblich verlängern kann [2]. Achte auch auf den Lade-Wirkungsgrad, da ein Teil der geladenen Energie durch Ladeverluste verloren geht.
### Öffentliches Laden: Kosten und Verfügbarkeit
Wenn du nicht die Möglichkeit hast, zu Hause zu laden, oder regelmäßig längere Strecken fährst, ist das öffentliche Laden unerlässlich. Bedenke, dass die Nutzung öffentlicher Ladesäulen in der Regel höhere Betriebskosten verursacht als das Laden zu Hause [1]. Eine Ladekarte (z.B. die ADAC e-charge Karte) kann sinnvoll sein, um Zugang zu vielen verschiedenen Ladesäulen zu erhalten und den Ladevorgang zu vereinfachen [1].
Für Langstreckenfahrten ist eine Schnellladefunktion (CCS) ein absolutes Muss. Sie ermöglicht es, die Batterie in kurzer Zeit wieder aufzuladen. Während diese Funktion bei neueren Fahrzeugen Standard ist, solltest du bei älteren Modellen genau prüfen, ob sie vorhanden ist [2].
Typische Probleme, Verschleiß und Wartung beim gebrauchten E-Auto
Elektroautos sind im Vergleich zu Verbrennern oft wartungsärmer und haben weniger Verschleißteile. Dennoch gibt es spezifische Punkte, auf die du beim Gebrauchtwagenkauf achten solltest.
### Weniger Verschleiß, aber neue Schwerpunkte
Ein großer Vorteil von Elektroautos ist das Fehlen vieler typischer Verschleißteile eines Verbrenners, wie Auspuff, Zahnriemen, Zündkerzen oder Schaltgetriebe. Auch der Elektromotor selbst ist äußerst robust und langlebig, viele laufen problemlos über 200.000 Kilometer [2]. Dies führt zu deutlich geringeren Wartungskosten, die laut ADAC im Schnitt 30 bis 35 Prozent unter denen vergleichbarer Verbrenner liegen [2]. Es entfallen Ölwechsel, die Auspuffanlage und viele bewegliche Motorteile, die regelmäßig kontrolliert oder ersetzt werden müssten.
### Besondere Aufmerksamkeit für Bremsen, Reifen und 12V-Batterie
Obwohl viele Verschleißteile entfallen, gibt es andere Bereiche, die besondere Aufmerksamkeit erfordern:
* Bremsen: Durch die Rekuperation (Energierückgewinnung beim Bremsen über den Elektromotor) werden die mechanischen Bremsen seltener genutzt. Dies kann zu Rost an den Bremsscheiben führen. Leichter Flugrost ist normal, aber starker Rost oder einseitiger Abrieb sind Warnzeichen und sollten bei der Besichtigung genau geprüft werden [2]. * Reifen: Entgegen mancher Annahme verschleißen E-Auto-Reifen nicht unbedingt schneller. Die Traktionskontrolle moderner Stromer reduziert den Schlupf und schont die Reifen. Prüfe dennoch Profiltiefe (mindestens 3 mm), Abnutzung und eventuelle Schäden. Einseitiger Abrieb kann auf Probleme mit der Spur oder dem Fahrwerk hinweisen [2]. * Ladebuchse: Da die Ladebuchse häufig genutzt wird, sollte sie auf Schäden oder Korrosion überprüft werden [2]. * 12V-Batterie: Die kleine 12V-Batterie, die für das Starten des Systems und die Versorgung der Bordelektronik zuständig ist, kann bei E-Autos eine potenzielle Schwachstelle sein. Sie ist oft nicht so stark dimensioniert wie bei Verbrennern und kann bei älteren Fahrzeugen Probleme bereiten [3].
### Gesamtzustand, Historie und Probefahrt
Wie bei jedem Gebrauchtwagenkauf gelten auch hier die allgemeinen Regeln: Prüfe den Gesamtzustand des Fahrzeugs sorgfältig. Ein lückenloses Scheckheft und eine nachvollziehbare Fahrzeughistorie sind essenziell [1]. Achte auf Anzeichen von Unfällen oder Schäden am Chassis, da diese auch die Batterie beeinträchtigen können [3].
Die Probefahrt ist unerlässlich. Nutze sie, um nicht nur die Reichweite realistisch zu prüfen, sondern auch das Fahrverhalten, ungewöhnliche Geräusche und die Funktion der Bremsen und der Rekuperation zu testen. Lasse dir auch das Ladekabel und eventuelles Zubehör zeigen und dokumentiere dessen Zustand im Kaufvertrag [2].
Rechtliche Grundlagen und Kaufvertrag
Ein solider Kaufvertrag schützt dich vor bösen Überraschungen. Nutze einen detaillierten Vertrag, wie den ADAC Musterkaufvertrag für Elektroautos [1]. Halte darin alle wichtigen Informationen fest, insbesondere Angaben zum Batteriezustand, eventuellen Reparaturen oder Schäden. Beim Kauf von einem Händler hast du zudem Anspruch auf die gesetzliche Gewährleistung, die dich bei Mängeln absichert.
Fazit: Mit MainPrüfer auf Nummer sicher gehen
Der Kauf eines gebrauchten Elektroautos ist eine zukunftsweisende Entscheidung, die viele Vorteile bietet. Doch die spezifischen Eigenheiten der Elektromobilität erfordern eine besonders sorgfältige Prüfung. Von der Batterie über die Ladeinfrastruktur bis hin zu den Garantien gibt es zahlreiche Punkte, die du beachten solltest, um Fehlkäufe zu vermeiden.
Um auf Nummer sicher zu gehen und eine unabhängige und professionelle Einschätzung zu erhalten, empfehlen wir dir, die Expertise von MainPrüfer in Anspruch zu nehmen. Unsere erfahrenen Kfz-Sachverständigen unterstützen dich gerne bei der Begutachtung deines Wunschfahrzeugs. Wir bieten umfassende Dienstleistungen an, darunter:
* Professionelle Gebrauchtwagenuntersuchung: Eine detaillierte Prüfung des gesamten Fahrzeugs, inklusive der spezifischen Elektrokomponenten. * Batteriecheck: Eine präzise Analyse des Batteriezustands (SoH) durch modernste Diagnoseverfahren. * Wertermittlung: Eine fundierte Einschätzung des Marktwertes, um sicherzustellen, dass du einen fairen Preis zahlst. * Unfallgutachten: Bei Verdacht auf Vorschäden oder nach einem Unfall erstellen wir ein unabhängiges Gutachten, das auch Batterieschäden berücksichtigt.
Kontaktiere MainPrüfer noch heute für eine persönliche Beratung und lass uns gemeinsam sicherstellen, dass dein gebrauchtes E-Auto ein voller Erfolg wird! [Kontaktiere MainPrüfer](https://www.mainpruefer.de/kontakt) [Unsere Leistungen](https://www.mainpruefer.de/leistungen)
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Referenzen
[1] ADAC: Elektroauto gebraucht kaufen: Darauf sollten Sie achten! (https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/elektroauto/elektroautos-gebraucht-kaufen/) [2] EnBW: E-Auto gebraucht kaufen: Tipps für den Kauf (https://www.enbw.com/blog/elektromobilitaet/fahren/elektroauto-gebraucht-kaufen-darauf-solltest-du-achten/) [3] AutoBild: Gebrauchte E-Autos: worauf man beim Kauf achten sollte (https://www.autobild.de/artikel/tipps-gebrauchte-e-autos-8626101.html)
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